Bogenschießen in Kreta

Manche von uns haben es schon als Kind getan: aus einem Haselnussbusch einen gebogenen Zweig zu schneiden, diesen mit einer Schnur zu bespannen und Pfeile aus einem gerade gewachsenen Holunderrohr zu schnitzen.  Das Ziel war nicht so wichtig, es wurde ohnehin selten genug getroffen, der Spatz war schneller als unser Pfeil. Aber unser Selbstbewusstsein und Eifer  wuchs erheblich mit der Reichweite unserer Kraft im Pfeilschuss.

Erwachsen geworden treibt uns vielleicht noch ein Rest dieser Faszination zum Bogenschießen. Was wir dann aber, wenn wir es wieder versuchen, erleben und finden können, ist etwas völlig anderes, transformiertes: wir erleben und finden uns selbst.

Es fängt schon mit dem Stehen an. Fest auf beiden Beinen zu stehen aber mit lockeren Knien ohne sich zu verkrampfen, sich im Boden für ein ruhiges Zielen fest zu verankern zeigt manchem, wie schwer es ist, sich beim Stehen von Stand- und Spielbein zu verabschieden. Wenn wir unseren Körper dann bewusst  wie eine am Scheitel-Faden aufgehängte Marionette aufrichten wollen, wundert sich mancher,  dass immer noch eine Hüfte vorgeschoben, das Rückgrat wie ein Bogen gespannt oder der Kopf geneigt ist. Wir stellen fest, unser Gefühl von unserem aufrechten Stand ist ein Gefühl. Nach der Korrektur nun trotzdem die Muskeln zu entspannen und den Atem gleichmäßig kommen und gehen zu lassen, ist die erste Herausforderung für das Bogenschießen.

Nehmen wir nun den Bogen in die Hand und spannen die Sehne, gilt es, selektiv nur die Muskeln im Rücken zu spannen,  die wir brauchen um die Hand, die die Sehne hält, nach hinten zu ziehen. Alle anderen Muskeln bleiben locker. Insbesondere der Atem fließt gleichmäßig ein und aus. Auf diese Weise verhindern wir, dass der Bogen anfängt zu zittern. Der Körper, den wir aufgerichtet haben, bleibt dabei ohne Bewegung wie eingefroren. Die Sehne bewegt sich von der Hand geführt zum zielenden Auge, nicht das Auge zur Sehne. Das hört sich einfach an. Ist es auch, wenn die Konzentration nicht nachlässt.
Und nun wird das Lösen der Spannung im Schuss aus konzentrierter Ruhe und Gelassenheit zu einer lustvollen Herausforderung. Das Öffnen der gekrümmten Finger, die die Sehne halten, sollte so geschehen, wie sich eine Blüte öffnet. Es geschieht einfach. Ohne willentliche Anstrengung. Es ist eine erstaunliche Erfahrung, den Moment, in dem wir die Sehne aus der Spannung entlassen,  den richtigen Moment – griechisch kairós – , in dem der Pfeil sein Ziel erreicht, mit zunehmender Übung immer weniger bewusst als vielmehr mit unserem Unbewussten zu erspüren. Wir vergessen uns dabei selber. Im Nachspüren aber erfahren wir etwas, was uns bleibt: Wer bin ich.

In Kreta, im Land der besten Bogenschützen des Altertums in den Söldnerheeren der Antike  widmen wir uns dieser Übung, mit innerer, mentaler Gelassenheit und Konzentration eine äußere muskuläre Spannung in einem plötzlichen Impuls zu lösen.

Trainer:


Matthias J. Ulrich
, stieß auf der Suche nach innerem Gleichgewicht im hektischen Leben eines Architekten auf das Bogenschießen, in dem er sich vor 25 Jahren von Harry Wittig ausbilden ließ.  Er lebt heute auf Kreta.

Teilnehmer an den Programmen von kretakreativ können   Bogenschießen unter individueller Anleitung in kleinen Gruppen zubuchen. Unser zur Verfügung gestelltes Equipment besteht aus Recurvebögen unterschiedlicher Spannung.
Fortgeschrittene können sich mit Zielvisier auf längere Distanzen einschießen.
Termine werden wöchentlich vor Ort angeboten.

Literatur zum Bogenschießen:
Herrigel, Eugen, Zen in der Kunst des Bogenschießens, Weller, Konstanz 1948;
2. vom Verf. durchgesehene Auflage: Otto Wilhelm Barth, München-Planegg 1951

Fotografieren

 

mit Matthias J. Ulrich


Auch 2017 fotografiere ich  im Rahmen des  Programms von kretakreativ . Termin siehe hier. Darüber hinaus biete ich zum offenen Programm zubuchbare Fotoexkursionen an. Termine siehe hier.

Im strahlenden Licht Kretas erleben wir eine Urlaubwoche oder eine Fotoexkursion mit der Kamera vor dem Auge. Wir sind Darsteller und Fotograf zugleich. Wir suchen und inszenieren ganz persönliche Bilder in der kontrastreichen, wilden Landschaft Kretas.
Elektronische Kamera mit passendem USB-Kabel zur Übertragung auf den Laptop bitte mitbringen.